*Translation to English below*

 

Bei einer gemeinsamen Mahlzeit in einem türkischen osmanisch inspirierten Café ist das breitere Thema “Integration und die EU” besprochen worden. Die TeilnehmerInnen, die an dem Round Table teilgenommen haben, waren unterschiedlicher Herkunft und haben daher unterschiedliche Zielgruppen von in Österreich wohnenden Menschen repräsentiert: Ob ethnische weiße ÖsterreicherInnen oder nicht ethnische bzw. nicht-weiße aber in Österreich geborene und vergesellschaftlichte österreichische StaatsbürgerInnen, oder diejenigen, die in Österreich erst seit 5-6 Jahren wohnen. Es gab eine Gender-Balance unter den Teilnehmenden, allerdings wurde nur die Generation der 20- bis 30-Jährigen repräsentiert.

 

Mit solchen Themen wie “Fühlst du dich integriert in Österreich?” wurde eher kritisch auseinandergesetzt, denn der zentrale Begriff ist da “integriert” gewesen. Die darauf folgenden Rückmeldungen:

 

  • bei “Integration” geht es mehr als um eine Anpassung an die jeweilige Gesellschaft, sondern um das Gleichwerden. Der vor kurzem eingeführte Integrationstest wurde als Beispiel für Kontroversität des Begriffs erwähnt, in dem es um das Erlernen von “gesamteuropäischen (in der Tat – westeuropäischen) progressiven liberalen Werten” geht. Daher wäre die Narrative der Integration von “AusländerInnen” in die österreichische Gesellschaft mit der Narrative von “Transitology” der ehemaligen Ostblock-Länder in das gesamteuropäische westlich geprägte Projekt der EU zu vergleichen: In den beiden Fällen wird keine Rücksicht auf die Eigenartigkeit von den neu Angetretenen genommen, und das Gleichwerden bzw. das Loswerden von den eigenen Eigenschaften werden als “Progress” und “der richtige Weg” empfunden. Eine logische darauf folgende Frage wäre gewesen, warum kein Türkisch oder B(C)HS in Österreich im Maßstab des z.B. Französischen oder Spanischen gelernt wird;

 

  • Integration ist ein Tool des Zusammenkommens mit der hiesigen Gesellschaft;

 

  • die AuswanderInnen aus Deutschland bilden die größte Anzahl an nicht-ÖsterreicherInnen in Österreich – werden aber als AusländerInnen kaum empfunden und benötigen daher keine Integration? => nicht alle nicht-ÖsterreicherInnen müssen integriert werden!

 

  • eine gelungene Integration ist ein gelungenes einander Respektieren;

 

  • Österreich is not one but many: Es kommt auf das Bundesland und auf die Urbanität bzw. Ruralität des Ortes, wo man sich findet, an, wenn es von “Integration” geredet wird: Sie wird unterschiedlich empfunden und gelingt daher nicht immer.

 

Eine der Beobachtungen, die ich gemacht habe, war dass die türkischen Kolleginnen, die, obwohl in Österreich geboren und sozialisiert (in die Schule gegangen) worden sind, sich (vielleicht teilweise unbewusst) als “Ausländer(innen)” und “Türkinnen, die in Österreich groß geworden sind” bezeichnen. Der Kollege serbischer Herkunft, der ebenso in Österreich geboren worden ist, hat gemeint, er fühle sich weder als ein Serbe noch als ein Österreicher, sondern weder noch: Ein Individuum. Im Vergleich zum Frankfurter Kontext, zum Beispiel, in dem die meisten nicht-weißen deutschen StaatsbürgerInnen, mit denen ich geredet habe, sich zweifellos als Deutsche beschreiben, lässt sich der kategorisch andere Selbstidentifizierungsgrad ableiten (“ich bin in Deutschland geboren und groß geworden also bin ich Deutsche/r” VS. “ich bin ein/e nicht-Österreicherin, der/die in Österreich geboren und groß geworden ist”).

 

Als auch wurde das Phänomen der Migration als “Werkzeug des geographischen Stempelns” angesprochen, in dem folgende Logik benutzt wird: “Du wohnst nicht hier, also du gehörst nicht dazu bzw. bist ein/e MigrantIn”. Interessanterweise hat es sich herausgestellt, dass obwohl das Wort “expat” (Engl. für “ex-patriot”) dasselbe bedeutet, als “MigrantIn”, hat das erstgenannte eine klare Konnotation des wirtschaftlichen Könnens und der beruflichen Entwicklung, wobei das letztere wird eher mit den ungewollten ImmigrantInnen assoziiert.

 

Last but not least – von Matthias angesprochen – das Fleischessen gehört zum Österreichischsein: Ein/e ethnische/r ÖsterreicherIn, der/die sich vegan (vegetarisch) ernährt, wird (v.a. auf dem Land) als AusländerIn empfunden.

 

 

 

the jokes that made my abend:

 

  • wie nennt man einen veganen Russen?
  • Moos-Kauer!

 

 

  • du Scheißausländer!
  • “Ausländer” ist keine Beleidigung, du Idiot!

ENGLISH TRANSLATION 

During a joint meal in a Turkish Ottoman-inspired café, the broader topic of “Integration and the EU” was discussed. The participants who took part in the Roundtable-discussion were from different backgrounds and therefore represented different target groups of people living in Austria: being ethnic white Austrians or non-ethnic or non-white but Austrian citizens born and socialized in Austria, or those who have only lived in Austria for 5-6 years. There was a gender balance among the participants, but only the generation of 20 to 30 year old’s was represented.

 

Topics such as “Do you feel integrated in Austria?” were dealt with more critically, because the central concept was “integrated” there. The feedback that followed:

 

  • – Integration” is more about becoming equal than about adapting to the respective society. The recently introduced integration test was mentioned as an example of controversy over the concept of learning “pan-European (indeed Western European) progressive liberal values”. Therefore, the narrative of the integration of “foreigners” into Austrian society could be compared with the narrative of “transitology” of the former Eastern Bloc countries into the pan-European Western project of the EU: In the two cases, no consideration is given to the peculiarity of the new entrants, and becoming equal or getting rid of one’s own qualities is perceived as “progress” and “the right path”. A logical question that would follow would have been why Turkish or B(C)HS[1] is not learned in Austria on the scale of how much e.g. French or Spanish are being learned;

 

  • Integration is a tool of coming together with the local society;

 

 

  • emigrants from Germany form the largest number of non-Austrians in Austria – but are hardly perceived as foreigners and therefore do not need integration? => not all non-Austrians need to be integrated!

 

  • a successful integration is a successful mutual respect;

 

  • Austria is not one but many: It depends on the federal state and on the urbanity or rurality of the place where one finds oneself, when one speaks of “integration”: It is perceived differently and therefore does not always succeed.

 

One of the observations I made was that the Turkish colleagues who, although they were born and socialised (went to school) in Austria, call themselves (perhaps partly unconsciously) “foreigners” and “Turkish women who grew up in Austria”. The colleague of Serbian origin, who was also born in Austria, said that he felt neither as a Serb nor as an Austrian, but neither as an individual. In comparison to the Frankfurt context, for example, in which most non-white German citizens with whom I have spoken describe themselves undoubtedly as Germans, the categorically different degree of self-identification can be deduced (“I was born in Germany and grew up so I am German” VS. “I am a non-Austrian born and raised in Austria”).

 

The phenomenon of migration was also addressed as a “tool of geographical stamping” in which the following logic is used: “You don’t live here, so you don’t belong to it or are a migrant”. Interestingly, it has turned out that although the word “expat” means the same as “migrant”, the former has a clear connotation of economic ability and professional development, the latter being more associated with unwanted immigrants.

 

Last but not least – Matthias mentioned this – eating meat is part of being Austrian: an ethnic Austrian who eats vegan (vegetarian) is perceived (especially in rural areas) as a foreigner.

 

 

 

the jokes that made my evening:

 

  • “what do you call a vegan Russian?”
  • “Moos-Kauer” (translation: Moss- chewer. Sorry, only funny in german)

 

  • “you shitty foreigner!”
  • ““Foreigner” is not an insult, you idiot!”

 

 

 

 

 

Written by Nikita Isakov, 23
Translated to English by Dina Ogrizovic

[1] “BHS” is an acronym commonly used in Austria, especially in scientific or lawful context. It describes:1. person of Bosnian, Serbian, or Croatian origin, 2. Previously named languages